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Elisabeth Schrader macht seit etwa dreißig Jahren, der Öffentlichkeit eher verborgen, Skulpturen aus Ton, fragil und oft farbig gefaßt, sockelartige Stelen, die ihre formale Herkunft auch aus Vasenformen beziehen könnten, oft gekrönt von Tier- und Menschenfiguren, kleinen Szenen von allegorischer und metaphorischer Bedeutung. Das ist nicht nur kunstvoll, sondern Kunst, auch wenn die Künstlerin das alles gern bescheiden in den Bereich des Handwerks verweisen möchte. Nein, es kommt, außer für Inseider, geradezu einer Entdeckung gleich. Elisabeth Schrader, 1935 in Barcelona geboren, kam bald darauf mit der Familie auf er Flucht vor dem spanischen Bürgerkrieg nach Hannover und wohnt seit 1940 in Ronnenberg. Sie studierte ab 1955 zunächst an der hannoverschen Werkkunstschule bei Prof. Rhein, später an der Kasseler Kunsthochschule bei den Professoren Röttger und Fritz Winter und war dann in Hannover Kunsterzieherin im höheren Schuldienst. Sie war mit dem zu früh verstorbenen Maler Hinnerk Schrader verheiratet und hat drei Töchter. Ausstellungen, sagt sie, gab es wenige, zweimal Jahresgaben für die Kestnergesellschaft und zuletzt eine Ausstellung auf dem Hermannshof Völksen.

Die Wurzel ihrer Bildwelt liegen in Ägypten; ein Buch über ägyptische Kunst hatte Elisabeth Schrader mit 17 in einem Antiquariat auf der hannoverschen Königstraße erworben. Die Ägypter, sagt sie, waren überhaupt "die genialsten Plastiker der Welt". Doch die Künstlerin versteht es, mit ihrer Arbeit durchaus, eine Brücke zur Gegenwart zu schlagen, zitiert in der Plastik ihren Lieblingsmaler Paolo Uccello oder berührt die Ornamentik der italienischen Renaissance, modelliert aufgrund Peter Brooks bewunderter "Sturm"-Inszenierung den Ariel oder begibt sich in die Malerei, wenn sie mit Engobefarbe, vermischt mit Kleber, auf Packpapier experimentiert.

Seit fünf Jahren hat Elisabeth Schrader noch ein anderes Material für sich entdeckt: sie überhäkelt Objekte verschiedenster Provenienz mit "Elektrolitze" und schafft damit merkwürdige Figuren von Hypokrates bis Gartenzwerg, vom Raub der Europa bis Elvis. Sogar Kombinationen dieses ältestem Materials Ton mit dem technoiden sind ihr gelungen. Über ihre Tonskulpturen urteilte einst ihr Mann, der Maler Hinnerk Schrader: alles, was Elisabeth Schrader anfasse, werde "so identisch", mit einer künstlerischen "Naivität". Er hatte, sehen wir in dieser Ausstellung, recht.

Ludwig Zerull